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Sa 31.10.2009 18.59 Uhr | Anja v. Waaden-Arnken | Alle Artikel

Die Jugend in den Siebzigern und Achtzigern!


Geschichte | Kindheitserinnerungen

Fanta in braunen Flaschen - Anja v. Waaden-Arnken
Fanta in braunen Flaschen
Raider (warum wurde der Name eigentlich geändert?) - Anja v. Waaden-Arnken
Raider (warum wurde der Name eigentlich geändert?)
Treets (lecker) - Anja v. Waaden-Arnken
Treets (lecker)
Rastede - Hallo ihr lieben N@chbarn,

nachdem ich als Mutter oft unterwegs bin um meine Jungs von A nach B zu bringen ist mir einiges an Unterschieden zwischen meiner eigenen Jugend und der Jugend von heute eingefallen und ich dachte an einen Artikel den ich hier gerne sinngemäß wiedergeben möchte da er mir manches mal aus der Seele spricht:

Wie haben wir das nur überlebt?

( Wenn du nach 1980 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun! Aber Du kannst es
trotzdem lesen! ) ;-)

Wenn du als Kind in den 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange überleben konnten!
Wir saßen in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm und Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen.
Wir tranken Wasser nicht aus Flaschen, sondern aus Wasserhähnen. Coca-Cola aus weißen und Fanta aus dicken braunen Glasflaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen
hatten. Das wurde uns somit bewusst und nach einigen Unfällen kamen wir damit klar.
Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!

Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und verloren Zähne, und niemand wurde deswegen verklagt. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Es waren eben Unfälle. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht".
Kannst du dich noch an "Unfälle" erinnern? Z.B einen ordentlichen Satz mit dem Bonanza-Rad, weil die 3-Gang-Schaltung wieder versagte? Verbrennungen an den Waden, weil man verschlossene Flaschen ins Feuer warf und plötzlich der heiße Schraubverschluss am Bein klebt? Wir kämpften und schlugen einander
manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, die Erwachsenen interessierte es kaum. Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter und manchmal etwas Zucker, Raider und Treets, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen. Wir hatten nicht: Playstation, Nintendo 64, X-Box, Videospiele, 64 Fernsehkanäle, Filme auf DVD oder BlueRay, Surroundsound, eigene Fernseher, Computer ( für die Jungs aus den 60er Jahrgängen: wer weiß eigentlich noch was ein C 64 ist?) , Internet-Chat-Rooms.

Wir hatten Freunde!!!

Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu
deren Heim und klingelten. Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach
hinein. Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. ( Aber wir sagten " SIE " zu deren Eltern ! ) Keiner brachte uns und keiner holte uns... Wie war das nur möglich?
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir
auch nicht besonders viele Augen aus. Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.

Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, dass die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas ! Unsere Generation hat eine Fülle von
innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten
Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wussten wir umzugehen!

Und DU gehörst auch dazu?!? Herzlichen Glückwunsch !!!

Viele Grüße und nette Erinnerungen an die Jugend wünscht
Anja

Schlagworte: Jugend, früher, Erinnerungen

Geschrieben auf: mein-rastede.de


Kommentar 6/6

  • Betreff
    Jugenderinnerungen
    Datum
    2.11.2009, 9:52 Uhr
    Autor
    Arndt Bruhn
    Text
    Hallo Anja, du sprichst mir aus der Seele. Ich kannte den Artikel auch schon und habe vergeblich danach gesucht. - Gruß Arndt.

Kommentar 5/6

  • Betreff
    Hallo Anja
    Datum
    1.11.2009, 19:40 Uhr
    Autor
    Silke Lorenz
    Text
    Diesen Artikel finde ich sehr schön geschrieben. Vieles ist auch bei mir wieder in Vergessenheit geraten, aber Du hast ja so recht...
    Liebe Grüße, Silke

Kommentar 4/6

  • Betreff
    Jugenderinnerungen
    Datum
    1.11.2009, 11:08 Uhr
    Autor
    Holger Raß
    Text
    Tja, liebe Anja, die Zeiten ändern sich.Meine "Sturm- und Drangzeit" lag etwa Mitte der 1960er bis Anfang der 70er.Fast alles, was ich in deinem Artikel lese, habe ich so oder ähnlich auch erlebt.Ich erinnere mich aber auch, dass wir uns immer wieder von unseren Eltern anhören mussten, was in ihrer Jugend anders war.Führe ich heute mit meinen erwachsenen Kindern solche Gespräche, höre ich von ihnen meist: "Mag ja sein, dass bei euch vieles anders war, aber war es deswegen besser?"Ich denke, der Tag wird kommen, an dem unsere Tochter mit ihrem Sohn die gleichen Gespräche führen wird.Schönen Sonntag wünscht Holger

Kommentar 3/6

  • Betreff
    Hallo Anja
    Datum
    31.10.2009, 22:00 Uhr
    Autor
    Ingrid Schulz
    Text
    gelöscht, weil der gleiche Kommentar zweimal erschien.

Kommentar 2/6

  • Betreff
    Hallo Anja
    Datum
    31.10.2009, 22:00 Uhr
    Autor
    Ingrid Schulz
    Text
    Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin auch so aufgewachsen. Allerdings war ich ein Einzelgänger und hab mich lieber in unserer Wohnung versteckt, hab gedichtet und gemalt. Auch vor den Lehrern hatten wir damals totale Angst. Heute ist es umgekehrt. Bettina, das mit dem Motorrad finde ich ja echt geil!!!! Ich bewundere dich.


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